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Gerdauen

Gerdauen - Oblast Kaliningrad

Im ehemaligen Gerdauen, dem heutigen Shelesnodoroschnij, finanzierte "Hilfe und Tat" den dort lebenden deutschstämmigen Übersiedlern aus den Zentralasiatischen Republiken die Erneuerung eines alten deutschen Hauses.

Der Werdegang dieser Aktion – angefangen von der begeisterten Idee – bis zur Einstellung dieser Aufgabe verlief für die aktiven Mitglieder jedoch wie die Fahrt auf der Achterbahn und das über Jahre.

Begonnen hatte alles mit einer unbeschreiblichen Begeisterung für ein halbfertiges Haus in Gerdauen, auf einem malerisch gelegenen Grundstück, oberhalb des Mühlenteiches, umrahmt von uralten Laubbäumen.

Hier bot sich die einmalige Chance ein Haus zu erwerben, in dem die örtliche Gruppe des Vereins „Samland“ eine feste Bleibe für ihre Vereinsaktivitäten einrichten konnte. Der Kaufpreis war relativ gering und für uns erschwinglich. Darum willigten wir kurzfristig dem Kauf zu, um – wie wir hofften - mit diesem Haus unseren russischen Freunden einen großartigen Traum zu erfüllen. Doch ganz bald entwickelte sich unser Vorhaben zu einem Alptraum.

Im Frühjahr stellte sich heraus, dass die Bausubstanz denkbar schlecht war, denn als der strenge Frost nachließ, bröckelten die Steine nur so aus den Fugen,. Es gab für uns keine Alternative, das Gebäude musste abgerissen werden. Die gesäuberten Steine sowie das abgetragene Gebälk wurden beim neuen Aufbau des Hauses mit verwandt. Es kam das Richtfest und danach wurde das Dach eingedeckt. Alle notwendigen Fenster und Türen, sowie die Heizungsanlage und die Sanitäreinrichtungen brachten wir in mühevollen Transporten von Deutschland zur Baustelle. Die Materialien waren zwar gebraucht, in diesem Haus konnten sie aber noch gute Dienste tun. Endlich war das Gebäude trocken und Fenster und Türen verschließbar. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Neubau bereits einige tausend Mark verschlungen, denn die Russen erhielten für ihre handwerklichen Tätigkeiten einen Lohn.

In der Folgezeit verging kein Hilfstransport nach Kaliningrad ohne einen Besuch in Gerdauen. Fortschritte der späteren Eigentümer waren allerdings nicht mehr zu erkennen. Jetzt waren die Russen am Zuge. Sie erwarteten tatsächlich von uns weiterhin einen Arbeitslohn, obwohl sie das Haus später selber nutzen wollten. Wir zogen die Notbremse!

Tröstlich für uns war die Tatsache, dass andere, finanziell stärkere Organisationen ähnliche Erfahrungen sammeln konnten und sich darum oftmals von ihren Projekten. verabschiedeten. Als Tüpfelchen auf dem I wies man uns im Vorwege schon darauf hin, dass wir später auch die Strom- und Wasserkosten, sowie alle anfallenden Hauskosten hätten tragen müssen.

Weder unser Geld noch die kostbare Zeit unserer Mitglieder sollten weiter in diesem halbfertigen Bauwerk versickern. Darum schlugen wir der evangelischen Kirche in Kaliningrad vor, sich hier einzubringen. Leider war der Etat der Kirche sehr begrenzt, daher lehnte man dankend ab. Unser Verein zahlte im Jahre 2004 zum letzten Mal einen Zuschuss für die weitere Fertigstellung.

Schweren Herzens, aber mit der deutlichen Erkenntnis, dass wir dieses Projekt von Ottersberg aus weder leiten noch finanzieren können, haben wir zugunsten anderer Pläne von weiterer Hilfeleistung Abstand genommen und die Zahlungen eingestellt.


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